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Wie wirkt Hypnose?

Warum sich mit Hypnose tiefgreifende Veränderungen und Problemlösungen erzielen lassen

Ich habe mir selbst immer wieder die Frage gestellt, wie die Hypnose ihre manchmal fast unglaublichen Wirkungen hervorbringt und was dabei in unserem Gehirn und unseren gesamten Organismus passiert.

Wie es zum Beispiel möglich ist, dass der Körper die Anzahl einer ganz bestimmten Art von Blutkörperchen stark ansteigen lässt, und dass nur auf die wörtliche Suggestion eines Hypnotiseurs? Das funktioniert selbst bei Menschen, die keine Ahnung haben, was zum Beispiel ein Leukozyt (bestimmte Art von Blutkörperchen) ist.

Woher wissen die Körperzellen, was der Hypnotiseur will? Verstehen die Körperzellen etwa unsere Sprache? Natürlich könnten Sie jetzt behaupten, dass schliesslich das Gehirn Sprache versteht und umsetzen kann, was es hört - das würde jedoch voraussetzen, dass der Mensch/das Gehirn weiss, was ein Leukozyt ist und wie man diesen herstellt.

Mit diesem Text versuchte ich mir diese Fragen zu beantworten. Da ich schon mal dabei war, habe ich den Text besser ausformuliert, um ihn jetzt mit Ihnen teilen zu können.

Will man die Wirkweise/Wirkung der Hypnose erklären - speziell, wie man mit Hypnose auf körperliche Vorgänge, wie zum Beispiel die Hormon-Sekretion, einwirken kann, muss man unter anderem auf die Phänomene der hypnotischen Trance zurückgreifen.

Das Wie ist immer noch nicht ganz klar (Obwohl es etliche Hypothesen gibt). Allerdings gibt es in den letzten Jahren immer mehr Fortschritte in der Gehirnforschung und der Hypnoseforschung, mit denen man die Vorgänge, die wahrscheinlich in der Hypnose wirken, erklären kann.

Einige dieser neuen und auch etwas älteren Forschungsergebnisse werde ich Ihnen hier vorstellen, um damit zu verdeutlichen, warum man mit Hypnose so tief greifende nachhaltige Veränderung bewirken kann. Und was dabei vermutlich im Körper geschieht.

Bücher zu aktuelleren Ergebnissen der Hirnforschung, die für dieses Thema interessant sind, finde ich jetzt vor allem in englischen Büchern. So ist - unter anderem - die Untersuchung des Placebo-Effekts für dieses Thema bei der Arbeit sehr interessant.

Diese aktuellsten Erkenntnisse werde ich in einem weiteren Text beschreiben, sobald ich mich durch diese englische Fachbücher geackert habe.

Ein verblüffendes Beispiel

Ein interessantes Beispiel für die Wirkung der Hypnose erzählt Bernhard Trenkle, ein bekannter Hypnotherapeut, in einem seiner Seminare zum Thema Psychosomatik.

Er musste sich einem schweren Eingriff am Kiefer unterziehen. Er entschied sich dies in Selbsthypnose mittels einer Kassette machen zu lassen. Während des ganzen Eingriffs sprach der Zahnarzt mit ihm. Aber ab einem gewissen Punkt hörte der Kieferchirurg auf Fragen zu stellen und zu sprechen.

Was war geschehen? Auf der Kassette kam die Suggestion: "An ihren blutzuführenden Gefässen befindet sich ein grosses Rad. Sie nehmen das Rad in Ihre Hände und drehen es langsam nach rechts zu.“ (Bernhard Trenkle konnte sich nicht mal mehr an diese Suggestion erinnern, die da auf der Kassette ablief.)

Der Kieferchirurg hatte jedoch zugehört und es verschlug ihm die Sprache, als er daraufhin sah, dass es aufhörte zu bluten - an allen Wunden im Mund gleichzeitig.

Noch keine Erklärung, wie der Körper das macht. Aber ein sehr schönes Beispiel, wie ein einfaches Bild in der Hypnose eine grosse Wirkung haben kann.

Fakt ist, es gibt in unserem Körper Blut stillende Mechanismen. Und unser Körper kann sie irgendwie steuern. Dafür braucht es nicht einmal die Hypnose. In vielen Erfahrungsberichten aus Notsituationen kann man das herauslesen.

Hinweise aus der Hirnforschung

Ein Zitat von Johann Caspar Rüegg:

"Durch positive Gedanken, Worte und Vorstellungen können neuronale Netzwerke verändert und damit "Top-down" -Mechanismen in Gang gesetzt werden, welche die Effekte von krank machenden negativen Vorstellungen und Fiktionen kompensieren.

Wie wir heute wissen, gibt es sogar direkte deszendierende Bahnen vom Neokortex zum Hypothalamus beziehungsweise zu den sympathischen Zentren der Medulla oblongata, ja sogar zu den präganglionären Sympathikus-Neuronen im Rückenmark.

Damit sind die Wege vorgezeichnet, auf denen neuronale Aktivitäten des Cortex cerebri auf das Soma einwirken könnten, etwa bei Autogenem Training und anderen autosuggestiven Therapien."

Ist es Ihnen jetzt auch so gegangen wie mir, als Sie diesen Abschnitt gelesen haben? Mein erster Gedanke war: "Häää???“

Aber es ist dennoch eine wichtige Aussage, um sich den Mechanismen der (Hypnose-)Therapie anzunähern.

Deshalb übersetze ich hier kurz einige Begriffe. Sie können sie lesen und anschliessend noch mal zurück gehen zum Zitat von Rüegg - diesmal hoffentlich mit einem besseren Verständnis:

· "Top-down"–Mechanismen - in etwa das Wahrnehmen eines Bildes aus der Vorstellung oder Erinnerung

· Fiktionen - etwas nur vorgestelltes

· Deszendierende - absteigende, absinkende. Hier sind damit wohl Nervenbahnen gemeint, die von "höheren" Gehirnteilen in Richtung tieferer Gehirnteile führen oder in noch weiter vom Gehirn entfernt liegende Teile des Nervensystems

· Neokortex – stammesgeschichtlich jüngster Teil der Grosshirnrinde/des Gehirns

· Hypothalamus – ein Bereich im Gehirn, zu dem verschiedene Kerne und Drüsen gehören. Ist wichtig für Regulationsvorgänge (Wärme, Wach-Schlafrhythmus, Blutdruck, Atmung, Nahrungsaufnahme,...)

· Medulla oblongata – verlängertes (Rücken)Mark, entwicklungsgeschichtlich sehr alter Teil des Gehirns

· Präganglionäre – vom Nervensystem wegführende Nervenfasern vor Umschaltung in einem Ganglion (Nervenknoten)

· Sympathikus – Nervenstrang des autonomen Nervensystems (es versorgt die Eingeweide, regelt die Vitalfunktionen, wird auch unwillkürliches Nervensystem genannt)

· Sympathischen – siehe Sympathikus

· Neuronen – Nervenzellen

· Cortex cerebri – Grosshirnrinde

· Soma – der Körper

· Autosuggestiven - sich selbst beeinflussenden (z.Bsp. Selbsthypnose)

Die Forschungsergebnisse und Aussagen von Rüegg und anderen, die ich hier verwende, beziehen sich nicht immer direkt auf Hypnose, sondern ganz allgemein auf (psycho-)therapeutische Arbeit.

Ich denke jedoch, dass man ohne weiteres diese Ergebnisse auch auf die Hypnose beziehen kann, denn jegliches Erinnern und jegliche Vorstellung in Hypnose ist intensiver. In Hypnose haben Sie einen besseren Zugang zu unwillkürlichen/unbewussten inneren Anteilen – letztlich zu Ihrer Intuition. Und ausserdem kann man sich in der hypnotischen Trance besser an vergangene Ereignisse erinnern (Hypermnesie).

Von Geburt an ist nur die Grobstruktur des Gehirns angelegt. Erfahrungen und Interaktion mit der Aussenwelt sorgen für die Feinregulierung der Nervenverbindungen im Gehirn. Erfahrungen verändern die Struktur des Gehirns (=Plastizität des Gehirns)-besonders bei Kindern.

Bei Kindern ist die Plastizität des Gehirns am Stärksten ausgeprägt. Und so können auch Störungen (Traumata, schlimme Erfahrungen) gespeichert werden. Dies erklärt, wie seelische Störungen entstehen, die aber durch entsprechende Methoden wie die Hypnosetherapie oder Hypnocoaching wieder rückgängig gemacht werden können.

Viele Entscheidungen, Handlungen oder Wahrnehmungen im menschlichen Alltag erscheinen bewusst oder logisch rational. In Wirklichkeit sind sie auf einer tieferen Ebene geprägt vom Unterbewusstsein mit seinen Programmen, Mustern, Glaubenssätzen usw. Und von den verborgenen emotionalen Bedürfnissen und Urteilsprozessen der rechten Gehirn-Hemisphäre.

Da wir in der Hypnose hauptsächlich die unterbewussten Prozesse und die rechte Gehirnhälfte ansprechen, liegt es auf der Hand, das wir dadurch mit der Hypnose ein sehr gutes Werkzeug haben, um Veränderung im Denken, Handeln und Fühlen zu erreichen.

Mit ihrem bewussten Willen können sie lediglich eine sehr begrenzte Zahl von Funktionen beeinflussen. Nämlich nur solche, die den oberen Schichten des Neokortex (dem entwicklungs-geschichtlich jüngsten Teil des Gehirns) unterstehen.

Werden die Programme aus älteren Gehirnteilen aktiviert, wie zum Beispiel bei einer Angst das limbische System, dann dominieren diese älteren Programme die Funktion des Gehirns. Süchte und schädigende Verhaltensweisen sind vermutlich in den älteren Gehirnbereichen zuhause.

In der Hypnose sind die Inhalte und Funktionen diese älteren Gehirnbereiche zugänglich und sogar steuerbar, wie Werner Meinhold schreibt. Damit wird klar, warum sich solche Störungen mit Hypnose so effektiv therapieren lassen.

Wie wir die Welt wahrnehmen und nach welchen Programmen wir in Ihr handeln, denken und fühlen ist ebenfalls nicht von vornherein (genetisch, zum Beispiel) festgelegt, sondern wird auch durch unsere Erfahrungen mit der Umwelt (Erziehung zum Beispiel) gestaltet. Durch diese Erfahrungen mit der Umwelt und unsere Gewohnheiten jedoch wird das Gehirn mit seinen neuronalen Verbindungen geformt.

Unser Gehirn/unser Unterbewusstsein kann, wie mittlerweile bewiesen ist, nicht unterscheiden zwischen einer Vorstellung und einem realen Erleben. Das kann dazu genutzt werden, um diese neuronalen Verbindungen mit Hypnose zu ändern.

Dass diese neuronalen Verbindungen sich dann tatsächlich nach einer Therapie ändern, kann man in dem Buch "Gehirn, Psyche und Körper" von Johann Caspar Rüegg, schon auf dem Titelbild sehen. Dort sieht man ein Bild des Gehirns beziehungsweise der Gehirnaktivität eines Menschen mit einer Zwangsstörung – vor und nach der Therapie.

Beim Lösen von Blockaden mit aufdeckender Hypnose ist das Freiwerden von angestauter Energie oft auch tatsächlich spürbar, durch Wärme oder kribbeln. Viele Klienten berichten davon und vielen sieht man es auch an, durch Rötungen im Gesicht zum Beispiel.

Viele Klienten berichten nach einer mehrstündigen aufdeckenden Hypnosesitzung auch davon, dass sie sich angenehm ermüdet fühlen. So als hätte man den ganzen Tag auf befriedigender Art und Weise gearbeitet. Man kann tatsächlich spüren, dass bei der aufdeckenden Hypnose etwas geschieht im Nervensystem.

Die Leerhypnose

Der Zustand der Trance (durch Hypnose herbeigeführt) hat vermutlich schon aus sich heraus eine heilsame Wirkung. Wird die Hypnose ohne weitere Suggestionen oder Techniken angewandt, nennt man das passive hypnotische Ruhe oder auch Leerhypnose.

Hierbei finden im Gehirn und im Körper schon verschiedene Umschaltungen statt, die Letzten Endes zu einer Eutonie (gesunder, ausgeglichener Tonus/Zustand) führen.

In der Leerhypnose werden Gehirnareale, in denen seelische Konflikte beheimatet sind in ihrer Funktion reduziert. Dadurch können sie auch nicht mehr so stark störend auf das vegetative (unwillkürliche) Nervensystem einwirken.

Es findet auch eine Umschaltung auf das Parasympathische Nerven-system statt. Dadurch wird das vegetative (dem Willen nicht unterliegende) Ruhepotenzial im gesamten Organismus aktiviert.

Der Parasympathikus es ein Teil des so genannten unwillkürlichen (vegetativen) Nervensystems. Das Parasympathische Nervensystem wird im allgemeinen mit Entspannungs-Reaktionen in Verbindung gebracht. Der Gegenspieler des Parasympathikus ist der aktivierende Sympathikus.

Herbert Benson, ein Harvard-Arzt, der auf dem Gebiet der parasympathischen Umschaltung viel geforscht hat, nennt die Wirkungen der Leerhypnose dann "erinnertes Wohlbefinden" und "Entspannungsreaktion".

Selbst ohne Suggestionen und weitere Techniken kommt es also zu einer intensiven Beruhigung des gesamten Nervensystems. Dies zeigt sich in verschiedenen körperlichen Phänomenen.

· Es kommt zu einer peripheren(äussere, am Rande) Gefässerweiterung - das heisst an der Oberfläche

· die Körperkerntemperatur sinkt um circa 0,3°C

· die Hauttemperatur steigt um etwa 1,5 °C

· der Puls verlangsamt sich

· der Blutdruck sinkt

· die Spannung der Muskulatur sinkt

· es kommt zu einer Reflexverminderung

· und einer Verminderung des Sauerstoffverbrauchs um ca. 5 %.

Weitere Änderungen sind zum Beispiel, dass der Magen-Darm-Trakt eine verminderte Aktivität zeigt ebenso, wie einige Hormondrüsen vermindert aktiv sind. Allein dadurch, kann es zu einem Heilreiz kommen.

Ich möchte es Ihnen mit ein paar weiteren Beispielen noch verdeutlichen, welch machtvolles Werkzeug Sie mit der Hypnose oder der Selbsthypnose haben, wenn Sie etwas in Ihrem Leben ändern wollen.

In verschiedenen Experimenten wurde nachgewiesen, dass man durch Suggestionen die verschiedensten Körperfunktionen direkt beeinflussen kann. So wurde zum Beispiel der Blutzuckerspiegel geändert oder das Blutbild. Es konnte die Menstruation hervorgerufen und wieder beendet werden.

Die Phagozytenzahl (Fresszellen, Teile des Immunsystems) im Blut konnte mittels Hypnose innerhalb von wenigen Minuten verdoppelt werden.

Ebenso kann mit Hypnose zum Beispiel die Körpertemperatur an den Händen erhöht werden (messbar). Es können automatische gleichförmige Bewegungen ohne Ermüdung erzeugt werden, weil die Muskelaktivität vom vegetativen Nervensystem übernommen wird.

Das Immunsystem aktivieren – kinderleicht mit Hypnose?

Ein weiteres spannendes Beispiel: Karen Olness, eine Hypnoseforscherin, liess Kinder ein Video über das Immunsystem anschauen und anschliessend wurden sie instruiert, ihre Speichel-Immunglobuline zu kontrollieren.

Immunglobuline sind Antikörper, die auf gewisse Eindringlinge in den menschlichen Körper reagieren, sie markieren und dem Immunsystem somit helfen, Eindringlinge abzuwehren. Diese Kinder konnten mittels Selbsthypnose eine bedeutende Zunahme von Immunglobulinen der Klasse A bewirken.

Für das Hypnocoaching sind natürlich die Beeinflussungs-Möglichkeiten des Denkens, des Willens, des Bewusstseins und des Verhaltens besonders interessant.

Das Bewusstsein kann erweitert, vertieft und auch eingeengt werden. Erfahrungen in der Vorstellung, die in Hypnose erlebt werden, gewinnen an innerer Realität - einschliesslich der Gefühle, die dazugehören.

So kann in Hypnose beinahe jeder emotionale Zustand erzeugt werden. Für den Klienten ist das sehr bedeutungsvoll: so kann zum Beispiel ein depressiver Mensch sofort auch ein Zustand der Freude erleben. (Zumindest für die Dauer der Hypnose)

Das Gehirn kennt keinen Unterschied zwischen vorgestellten/ imaginierten Erlebnissen und realen Erlebnissen. Es aktiviert bei beiden die selben Gehirnareale. Dadurch können gewisse Verhaltensweisen in der Hypnose trainiert, beziehungsweise in der Zukunft vorweggenommen werden.

So wird im Gehirn schon eine Art Bahn angelegt, die das Erleben oder Ausführen des gewünschten Verhaltens sehr viel wahrscheinlicher macht.

Ein Pfad im Gehirn

Jedes Verhalten, dass sie immer wieder zeigen, jedes Gefühl, jeder Gedanke, den Sie immer wieder denken, schafft so etwas wie eine breite Daten-Autobahn in Ihrem Gehirn.

Sie können sich das so vorstellen, wie eine Wiese, auf der immer wieder der gleiche Weg gegangen wird. So entsteht ein Trampelpfad auf dieser Wiese - Sie nehmen immer wieder diesen Trampelpfad.

Wenn Sie sich eines Tages entscheiden, einen anderen Weg über die Wiese zu gehen, wird der alte Trampelpfad mit der Zeit zuwachsen und es entsteht ein neuer Pfad. So ähnlich funktioniert es auch in Ihrem Gehirn mit Gedanken und Verhalten.

Dieser Effekt wird schon lange von Spitzensportlern genutzt, indem sich zum Beispiel Sprinter vor dem Rennen schon den gesamten Lauf vorstellen. Bei solchen Selbsthypnose-Übungen hat man die Muskelaktivität und die Gehirnaktivität gemessen.

Dabei hat man festgestellt, dass bei der blossen Vorstellung, dass Rennen zu laufen, dieselben Muskeln feine Aktivitäten zeigen und im Gehirn dieselben Bereiche aktiviert werden, wie beim richtigen Laufen.

Gehirnzellen neu bilden mit Hypnose

2004 konnten zwei Hypnoseforscher (Halama und Bieler) sogar mittels SPECT (Single Photon Emission Computerized Tomography) nachweisen, dass mit Hypnose sogar die Neuronen-Neubildung (Neuroneogenese) im Gehirn angeregt werden konnte.

Sie zeigten auch, dass Neurotransmitter (Botenstoffe im Gehirn) mit Hypnose stimuliert werden können und die Synapsenplastizität (Stärke der Übertragung zwischen den Synapsen) erhöht werden kann.

Das ist unter anderem bei der Behandlung von Angststörungen sehr wichtig. So konnten sie mit Hypnose Angstengramme auf molekularer Ebene verändern.

Engramme sind praktisch die "Verdrahtung" der Angst im Gehirn. Und das gelang selbst noch bei einem Achtzigjährigen! Was übrigens auch ein Beweis für die enorme Plastizität (Veränderungsfähigkeit) unseres Gehirns ist. Auf das Thema Plastizität des Gehirns möchte ich jetzt noch etwas näher eingehen.

Das Wunder der Plastizität

Früher ging man davon aus, dass das Gehirn nur der Kindheit die so genannte Plastizität (Form-/Veränderbarkeit) aufweist. Und wahrscheinlich gibt es auch heutzutage noch einige Mediziner, die nicht glauben wollen, dass das erwachsene Gehirn ebenso veränderbar ist.

Es stimmt, die Nervenzellen sind so hoch spezialisiert, dass sie nicht mehr teilungsfähig sind. Aber heute weiss man, dass der Körper fähig ist Nervenzellen neu zu bilden - aus Stammzellen. Und dass das Gehirn sich lebenslang strukturell umorganisieren kann. Siehe dazu auch das oben angesprochene Bild der Wiese mit dem Pfad.

Heute zeigen etliche Forschungsergebnisse und auch medizinische Anwendungen ganz deutlich, dass das erwachsene Gehirn sich ebenfalls verändern kann. Zum Beispiel können die Funktionen von zerstörten Bereichen von anderen Gehirnbereichen übernommen werden.

Hier zwei spektakuläre Beispiele, was unser Gehirn vollbringen kann.

Das erste Beispiel ist aus einer Reportage des Magazins Geo und National Geographic.

Linda Morefoot hat Retinitis Pigmentosa. Diese Krankheit zerstört die Lichtrezeptoren in ihren Augen. Seit 10 Jahren konnten ihre Augen das Licht nicht mehr im Bilder umwandeln.

Dr. Mark Humayun hat ein winziges Gerät in die Rückwand von Lindas Augen eingesetzt. Auf diesem Gerät befinden sich 16 (!) Elektroden. Diese Elektroden sollen wie eine einfache Netzhaut funktionieren und elektrische Signale erzeugen/weiterleiten. Mittels einer speziellen Sonnenbrille werden Lichtstrahlen in elektrische Signale umgewandelt. Diese elektrischen Signale regen die 16 Elektroden in Lindas Augen an. Mit diesen Geräten lernte Linda das Sehen neu.

Am Anfang konnte sie Schwarz und Weiss unterscheiden. Aber mit der Zeit lernte sie, immer mehr Einzelheiten wahrzunehmen. Nach über 10 Jahren Blindheit kann Linda heute sogar ihre Enkelinnen erkennen und unterscheiden. Und einen Basketball prellen - dafür ist eine enorme Hand-Auge-Koordination nötig. Wahnsinn, oder?

Stellen Sie sich das einmal vor, eine gesunde Retina (Netzhaut) hat Millionen von Rezeptoren, die das Licht in elektrische Signale umwandeln. Das Gerät in Lindas Augen hat nur 16 Elektroden (Rezeptoren).

Und Lindas Gehirn schafft es tatsächlich, aus diesen mickrigen 16 Signalen richtige Bilder zu machen. Was für eine Leistung des Gehirns! Und nicht nur bei Linda - Dr. Humayun hat dieses Gerät auch bei anderen Patienten erfolgreich eingesetzt.

Ich kann mich auch an eine Reportage erinnern, die ich im Fernsehen sah. Sie zeigte blinde Menschen, die es gelernt hatten spezielle Klicklaute zu erzeugen. Diese Klicklaute werden von einzelnen Gegenständen unterschiedlich reflektiert.

Das Gehirn dieser Menschen hatte die akustische Wahrnehmung so verfeinert, dass diese blinden Menschen praktisch mit ihren Ohren sehen konnten. Ähnlich wie Fledermäuse.

Sie konnten sich praktisch vollkommen frei in der Welt bewegen, erkannten Hindernisse und konnten diese sogar unterscheiden. Einige fuhren sogar Fahrrad. Blind!

Ein weiteres phänomenales Beispiel findet sich in dem Buch "Neustart im Kopf" von Norman Doidge. Eigentlich ist dieses Buch voll von spektakulären Beispielen. Aber ich picke einfach mal eins heraus, dass mich am Anfang gleich aus den Socken gehauen hat.

Paul Bach-y-Rita ist einer der Pioniere der Neuroplastizitäts-Forschung. Er ist Grundlagenforscher und Arzt. Bereits Ende der Sechzigerjahre entwickelte er eine Maschine die es geburtsblinden Menschen ermöglichte, wieder zu sehen. Diese Menschen hatten Netzhautschäden, die als unbehandelbar diagnostiziert worden waren.

Diese Maschine sah aus wie ein riesiger Stuhl, 200 Kilo schwer. Im Stuhlrücken der Maschine waren 400 vibrierende Stimulatoren eingesetzt. Diese Stimulatoren waren über einen Computer mit einer grossen Fernsehkamera verbunden.

Die Stimulatoren funktionierten wie die Punkte eines Schwarz-Weiss-Bildschirms. Vibration entsprach einem dunklen Bildpunkt, keine Vibration einen hellen.

Mit dieser Maschine lernten die geburtsblinden Menschen über ihren Tastsinn des Rückens zu sehen. Sie konnten wieder perspektivisch sehen und Gegenstände wahrnehmen. Mit etwas Übung lernten diese Menschen wieder den Raum als dreidimensional wahrzunehmen. Und das, obwohl die Information von einer zweidimensionalen Platte am Rücken kam.

Sie verwechselten Berührungen am Rücken auch nicht mit einer optischen Wahrnehmung. Für diese Patienten fand die Wahrnehmung nicht auf dem Rücken, sondern in der Welt statt. Das Gehirn schafft es also tatsächlich einen Sinn die Aufgabe eines anderen erledigen zu lassen. Nochmal: Wahnsinn, oder?

Übrigens, heute ist aus dieser 200-Kilo-Maschine ein rund 4 cm grosses rundes Plastikplättchen mit Elektroden geworden, dass auf die Zunge gelegt werden kann. Nach Paul Bach-y-Rita ist die Zunge die ideale Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Aus der grossen Fernsehkamera wurde eine kleine Kamera die an ein Brillengestell montiert werden kann.

Dieses Thema hätte eigentlich allein schon einen ganzen Aufsatz verdient. Ich wollte dieses Thema nur mit einigen Beispielen verdeutlichen, weil es eben bei Heilungsprozessen und Veränderungsarbeit vermutlich eine sehr grosse Rolle spielt. Sollten Sie jetzt neugierig geworden sein, dann empfehle ich Ihnen das Buch "Neustart im Kopf" von Norman Doidge.

Ganz besonders möchte ich Ihnen dieses Buch empfehlen, wenn Sie Menschen in Ihrer Verwandtschaft oder Bekanntschaft haben, die einen Schlaganfall hatten. Denn gerade für diese Menschen gibt es Hoffnung auf Heilung mit diesen neuen Forschungsergebnissen, die Doidge vorstellt.

Zweifel an der Plastizität?

Ich möchte Ihnen hier nicht verschweigen, dass es durchaus auch Wissenschaftler gibt, die diese Veränderungsfähigkeit des Gehirns bezweifeln.

Gerhard Roth beschreibt es so, dass wohl psychische Erkrankungen aufgrund einer "Fehl-Verdrahtung" im so genannten limbischen System entstehen. Aus seiner Sicht gibt es drei Möglichkeiten, wie eine Therapie wirksam wird.

Die erste Möglichkeit wäre eine Verstärkung der Impulskontrolle /des bewussten Ich durch Stärkung des Einflusses des Kortex (Hirnrinde) auf die Amygdala/das limbische System. Dabei würden jedoch die Fehl-Verdrahtungen nicht verändert werden.

Die zweite Möglichkeit wäre, das tatsächlich die verknoteten limbischen Netzwerke aufgelöst werden. Dass würde bedeuten, dass die Ursache der psychischen Erkrankung entfernt wurde. Genau dies bezweifeln aber etliche Neurowissenschaftler, die davon ausgehen, dass die Amygdala "niemals vergisst".

Die dritte Möglichkeit wäre laut Roth, dass bei einer Therapie Ersatzschaltungen angelegt werden und die Fehl-Verdrahtungen eingekapselt werden.

Da stelle ich mir die Frage: Wenn die Amygdala tatsächlich nie vergisst oder sie Fehl-Schaltungen einfach eingekapselt, wäre sie dann nicht sehr schnell "voll"?

Und beim Vorgang des Lernens hat man ja festgestellt, dass ein wichtiger Teil des Lernens von, zum Beispiel, neuen Verhaltensweisen das Vergessen (Auflösen) alter Verbindungen im Gehirn ist. Dazu mehr weiter unten, wenn es um Eric Kandel geht.

Hierzu passen auch die Erkenntnisse anderer Gehirnforscher. Sie fanden heraus, dass beim Wiedererinnern eines traumatischen Erlebnisses die Verbindung der Synapsen (Verbindungsstellen der Nervenzellen im Gehirn), die an dieser Erinnerung beteiligt sind, labil werden.

In der Therapie können diese Synapsenverbindungen jetzt daran gehindert werden, sich wieder zu festigen (Rekonsolidierung). Und sie können sogar geändert oder überschrieben werden.

Ich denke, das könnte es sein, was in der aufdeckenden Hypnose beim so genannten "abkoppeln" der seelischen Blockade passiert.

Um das noch zu verdeutlichen hier noch ein Zitat des Physiologen Prof. Dr. Johann Caspar Rüegg aus seinem Buch "Mind & Body":

"... Die Gedächtnisinhalte könnten dann vom Patienten (mithilfe seines Frontalhirns) unter der Anleitung des Therapeuten kognitiv oder emotional "überarbeitet" werden. Vermutlich dürfte es dabei zu einer "emotionalen Umstrukturierung" kommen, wobei krankmachende assoziative neuronale Verknüpfungen im Nervensystem selektiv gelöst, also gewissermassen "umgeschmolzen" würden - so die etwas gewagte Hypothese des israelischen Neurobiologen und Gedächtnisforschers Yadin Dudai.

Jedenfalls sind bei Phobien die im emotionalen Furcht-Gedächtnis gespeicherten Gedächtnisinhalte nicht unverbrüchlich festgelegt; sie können überarbeitet und damit modifiziert und vielleicht sogar gelöscht werden - übrigens auch bei Patienten, die unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden."

Eric Kandel – wichtige Hinweise von einer Schnecke

Eric Kandel ist ein Nobelpreisträger, der sich um die Erforschung der Zusammenhänge zwischen Psychologie und (Gehirn-)Biologie verdient gemacht hat.

Er hat an einer einfachen Form einer Schnecke ähnliches wie Dudai und Rüegg herausgefunden. Er erforschte bei dieser Schnecke, was an den Synapsen (Verbindungen im Nervensystem) beim Lernen vorging. Genauer gesagt erforschte er die so genannte Habituation und die Sensitivierung.

Vereinfacht gesagt ist die Habituation die Gewöhnung an einen Reiz. Das heisst, die Reaktion auf diesen Reiz wird abgeschwächt. Beispiel: wenn jemand neben ihnen zehnmal laut in die Hände klatscht, erschrecken Sie beim ersten Mal, aber beim 10. Mal nicht mehr.

Die Sensitivierung ist das genaue Gegenteil. Im Laufe der Sensitivierung wird die Reaktion auf einen Reiz verstärkt.

Kandel hat nun herausgefunden, dass im Gehirn durch diese beiden Prozesse Synapsen-Verbindungen der Nervenzellen verstärkt oder unterbrochen werden können.

Besonders interessant ist hier, dass Nervenverbindungen, die wochenlang durch Habituation unterbrochen waren, durch Sensitivierung komplett wiederhergestellt werden konnten. Nicht nur wiederhergestellt, sondern sogar verstärkt. Hier haben wir also wieder einen ganz starken Hinweis auf die Plastizität (Formbarkeit) des Gehirns.

Zitat E. Kandel:

"Diese komplexen Pfade, die genetisch determiniert (vorbestimmt) sind, scheinen nicht durch Krankheit, sondern durch Erfahrung unterbrochen zu werden. Durch Erfahrung können sie auch wiederhergestellt werden."

Halten wir also fest: synaptische Verbindungen von Nervenzellen können durch Erfahrung aufgelöst/unterbrochen oder verstärkt werden.

Auch hierin sehe ich einen Zusammenhang, warum die Hypnose so tief greifende Wirkungen erzeugen kann. Denn in der Hypnose gewinnen Erfahrungen an innerer Realität, selbst wenn sie nur in der Vorstellung gemacht werden.

Das könnte heissen, dass der Klient in der Hypnose Erfahrungen machen kann, die kranke oder neurotische Nervenverbindungen im Gehirn auflösen. Und anschliessend kann er, auch in Hypnose, Erfahrungen machen, die gesunde Nervenverbindungen stärkt oder neu bilden.

Psychoneuroimmunologie

Meiner Ansicht nach kann man heute auch als bewiesen ansehen, dass es die cartesianische (von René Descartes „Ich denke, also bin ich“) Trennung von Geist und Körper nicht gibt. Obwohl sie in den Köpfen viel zu vieler Menschen (Therapeuten, Ärzte, Wissenschaftler) immer noch weiterlebt.

Zum Beispiel kommuniziert das Gehirn mit dem Körper über so genannte Neuropeptide, die für verschiedene Gefühle und Stimmungen verantwortlich sind.

Über unser Denken und Verhalten wird gesteuert, welche Neuropeptide ausgeschieden werden.

Umgekehrt kann der Körper, zum Beispiel das Immunsystem, auch mit dem Gehirn kommunizieren. Das geschieht über so genannte Immunopeptide. So kommunizieren das Gehirn, das Nervensystem und das Immunsystem - letztlich der Körper und der Geist - miteinander.

Ein weiterer eindrücklicher Beweis für die Verbindung zwischen Geist und Körper? Zumindest die Männer unter Ihnen werden ihn nachvollziehen können. Also, wenn Sie noch keine 18 sind, überspringen Sie bitte den nächsten Abschnitt. :-)

Wie könnte es ohne die Verbindung zwischen Gehirn (Geist) und Körper sein, dass ein Mann eine Erektion haben kann, nur aufgrund der Vorstellung von Sex oder einer nackten Frau?

Ausserdem haben körperliche Therapieformen, etwa die Bioenergetik - zum Beispiel nach Alexander Lowen, schon längst bewiesen, dass man über den Körper an unterdrückte, unbewusste Emotionen herankommen kann. Sie werden förmlich im Körper gespeichert. (Nachzulesen ist das alles u.a. bei Candace B.Pert)

Vermutlich werden auch in der Hypnose diese Kommunikationswege aktiv, vor allen Dingen dann, wenn gewisse körperliche Veränderungen durch die Hypnose bewirkt werden.

Hier sitzt oder geht ein Klient, zum Beispiel, plötzlich aufrechter, nachdem er eine Blockade aus der Vergangenheit mit Hypnose aufgelöst hat. Oder, was man sehr oft sehen kann, dass nach der Hypnosetherapie die Gesichtsfarbe sich ändert oder die Gesichtszüge weicher, entspannter werden.

Hier noch ein weiterer Hinweis, der erklären könnte, warum mit Hypnose so tief greifende Wirkung erzeugt werden kann. Wie ich bereits weiter oben erwähnt habe, kann man mit Hypnose sehr gut auf die Gefühle eines Menschen einwirken:

Candace B.Pert und die Moleküle der Gefühle

Candace B. Pert sieht die Gefühle als Mittler zwischen Körper und Geist. Hier ein Zitat aus Ihrem Buch "Moleküle der Gefühle“:

„... Die Neuropeptide und Rezeptoren, die biochemischen Stoffe des Gefühls, sind, wie ich gesagt habe, die Botenstoffe, die durch Informationsübertragung die grossen Körpersysteme zu einer Einheit zusammenschliessen, einer Einheit, die wir als Körpergeist bezeichnen können.

Also dürfen wir nicht länger so tun, als hätten Gefühle geringere Bedeutung als die konkrete, materielle Substanz. Vielmehr müssen wir sie als Zellsignale begreifen, die an der Übersetzung von Information in physische Realität beteiligt sind - buchstäblich an der Verwandlung von Geist in Materie. Gefühl ist das Bindeglied zwischen Materie und Geist; es wechselt zwischen ihnen hin und her und beeinflusst beide.“

Wohlgemerkt, Candace B.Pert ist nicht irgendeine Eso-Tante, sondern eine Wissenschaftlerin der Psychoneuroimmunologie.

So kann es sein, dass wir über die Hypnose gewisse Gefühle auslösen die ihrerseits die Ausschüttung verschiedener Neuropeptide bewirken. Und diese Neuropeptide wirken auf gewisse Bereiche des Gehirns oder des Nervensystems ein und verändern dieses so.

Dies würde durchaus dem bidirektionalen (zwei Wege/Richtungen) Informationssystem nach Candace B.Pert entsprechen. Und demzufolge wäre es auch nicht so, dass der Geist den Körper beherrscht, sondern Körper und Geist sind eins.

Ausserdem schreibt sie:

„Wenn Stress (unterdrückte Traumata, unbewältigte Gefühle) die Gefühlsmoleküle daran hindert, sich frei dorthin zu bewegen, wo sie erforderlich sind, reduzieren sich die weitgehend autonomen (selbstständigen) Prozesse, die vom Peptidfluss reguliert werden - Atmung, Durchblutung, Immunfunktion, Verdauung, Ausscheidung und sofort -, zu einigen einfachen Rückkopplungsschleifen, so dass die normale Immunantwort gestört ist. Durch Meditation können lange vergrabene Gedanken und Gefühle wieder an die Oberfläche gelangen, wodurch der freie Fluss der Peptide wieder ermöglicht wird. Körper und Gefühle können gesunden.“

Sie schreibt hier zwar von Meditation, aber ich denke das man hier durchaus auch (aufdeckende) Hypnose einfügen könnte. Denn diese spezielle Form der analytischen Hypnose wurde ja genau dafür entwickelt, vergrabene Gedanken und Gefühle an die Oberfläche zu bringen.

Die Achse Hypothalamus-Hypophyse-Nebenniere

Ebenfalls bei Pert findet sich die folgende Aussage (S.412): "Inzwischen haben wir auch die Verbindung zwischen Erfahrung und Biologie entdeckt. Es hat alles mit dem System zu tun, dass wir die Achse Hypothalamus-Hypophyse-Nebenniere nennen."

Zu diesem Thema finden wir auch einige interessante Hinweise bei Ernest Rossi (Hypnosetherapeut und Hypnoseforscher).

In seinem Buch "Die Psychobiologie der Seele-Körper-Heilung - neue Ansätze der therapeutischen Hypnose" untersucht er Forschungs-ergebnisse zur Wirkweise der Hypnose. Oder anders ausgedrückt, er untersucht, wie unser Körper semantische (sprachliche) Befehle in somatische (körperliche) Wirkungen übersetzt.

Dabei erkennt Rossi auch die Achse Hypothalamus-Hypophyse-Nebenniere als wichtigsten Übersetzer unseres Körpers. Zitat:

"... Der Hypothalamus....., weil er der wichtigste Integrator der elementaren Steuerungssysteme des Körpers ist (Hunger, Durst, Sexualität, Temperatur, Puls, Blutdruck usw.). ......“

und weiter:

"Selbst Konzentrationen von Nährstoffen, Elektrolyte, Wasser, Neurotransmitter und Hormone im Blut und in der Hirnflüssigkeit können die verschiedenen Rückkoppelungs-Kontrollzentren im Hypothalamus anregen oder hemmen, die das innere Milieu des Körpers entweder direkt oder über die Hypophyse(Drüse im Gehirn) steuern. Von der anderen Seite der limbischen (=Bereich des Gehirns) Grenze her kann das Reich des Geistes oder der "Seele" den Hypothalamus durch neurale Erregungs- oder Hemmungsimpulse der Hirnrinde beeinflussen, die durch die spezialisierten Neuronen des Hypothalamus in hypophysäre(Hypophyse, eine Drüse im Gehirn) Steuerungs-Impulse umgewandelt werden.“

Ausserdem:

"... Viele dieser spezialisierten Zellen aus den verschiedenen Kernen des Hypothalamus wandeln die neuralen Informationen der Psyche in somatische (körperliche) Prozesse um und benutzen dabei den Weg über das hypophysäre und endokrine System. (Drüsen und Sekretion, vergleiche Pert)"

Rossi beschreibt einen dreistufigen Prozess, mit dem die Seele die Aktivität der einzelnen Zellen über das vegetative Nervensystem moduliert.

1. Der erste Schritt besteht aus Gedanken und Bildvorstellungen (Nervenimpulsen, die von der Seele im Frontalhirn erzeugt werden.

2. In Stufe zwei werden diese psychischen Impulse durch die Regionen .... im limbisch-hypothalamischen System gefiltert und in die Neurotransmitter umgewandelt, die die Organe des vegetativen Nervensystems steuern. Das vegetative Nervensystem verzweigt sich dann in die beiden Äste des sympathischen (aktivierenden) und parasympathischen (entspannenden) Systems. Hier werden dann verschiedene Neurotransmitter ausgeschüttet (sezerniert), die gewisse Rezeptoren der Körper-Zellen in den verschiedenen Organen aktivieren, deren Funktion Sie regulieren. Diese Neurotransmitter leiten dann die Stufe drei ein.

3. Neurotransmitter sind Botenmoleküle, die den einzelnen Zellen Signale übermitteln. Dadurch verändern sich diese Rezeptoren und die Durchlässigkeit der Zellwand für verschiedene Ionen (Natrium, Kalium, usw.) verändert sich. Dadurch verändern sich auch die spezifischen Aktivitäten jeder einzelnen Zelle.

Das bedeutet nach Rossi,“Die Psyche reguliert die biochemischen Funktionen im Inneren der Zellen aller wichtigen Organsysteme und Gewebe des Körpers über das vegetative Nervensystem.“

Rossi zitiert zu diesem Thema auch Melnechuk:

... wurde festgestellt, dass sensorische (reizaufnehmende) Nerven an ihrem peripheren (randstehenden) Enden Peptid-Neurotransmitter ausscheiden und dadurch das Gewebewachstum beeinflussen können. Wenn also das Nervensystem Neurotransmitter freisetzt, die Wachstumsfaktoren beeinflussen, ist das Gehirn als Organ der Gefühle und Einstellungen offenbar in der Lage, entsprechende Mischungen und Mengen wachstumsmodellierender Neurotransmitter und Hormone an bestimmten Stellen im Körper zu schicken.“

Damit wäre vielleicht auch zu erklären, wie durch Aufmerksamkeits-Fokussierung in Hypnose an ganz bestimmten Stellen im Körper Wirkung erzeugt werden kann. Zum Beispiel hat man in Versuchen herausgefunden, dass Menschen, die nur in ihrer Vorstellung Muskelaufbau-Übungen machen, einen Muskel- und Kraftzuwachs erreichen können.

„Erweiterte“ Erklärungsmodelle

Bei Werner Meinhold und auch bei Bick finden sich auch noch andere Erklärungsmodelle. Erklärungsmodelle, bei denen es nicht so sehr auf das Wort (Suggestion) ankommt, sondern vielmehr auf die Absicht, das Bild oder die Energie mit der die Suggestion gegeben wird.

Das Wort ist hierbei nur die Abstraktion des Bildes und der Wirkung, die vermittelt werden sollen. Dabei könnte es so eine Art energetische Verbindung zwischen dem Klienten und dem Hypnotherapeuten geben.

Nach Meinhold kommen für die Erklärung dieser energetischen Verbindung mehrere Phänomene in Frage.

Zum einen könnten es möglicherweise Biophotonen sein, die mit sehr hoher Geschwindigkeit Informationen weiterleiten. Zwischen Hypnotherapeut und Klient - aber auch innerhalb des Körpers des Klienten. Biophotonen sind schwache Lichtsignale, die von lebenden Zellen ausgesendet werden (siehe Marco Bischof: "Biophotonen", siehe auch Fritz Albert Popp).

Eine weitere Erklärungsmöglichkeit ist das elektromagnetische Feld, das von unserem Nervensystem und unseren Körperzellen erzeugt wird und uns umgibt.

Werner Meinhold nennt als eine weitere Kommunikationsebene zwischen Therapeut und Klient die so genannte "Telepathie", das ist eine unmittelbare Informationsbeziehung zwischen lebenden Organismen. Dabei werden Informationen ohne Signalübermittlung und ohne Zeitbedarf ausgetauscht.

Parallelen oder Erklärungsmöglichkeiten dafür finden sich in der Atomphysik beziehungsweise Quantentheorie. Ich gehe nicht weiter darauf ein. Wenn Sie das näher interessiert daran googlen Sie zum Beispiel Einstein-Podolski-Rosen oder EPR-Paradoxon.

Interessanterweise findet man auch bei Eric Kandel, einem Nobelpreisträger, Hinweise auf diese Verbindung zwischen Therapeut und Klient - wobei er als Neurobiologe vermutlich eher auf biologisch-organische Verbindungen hinweist:

..."Diese Ergebnisse legen nahe, dass, wenn ein Therapeut zu einem Patienten spricht und der Patient zuhört, der Therapeut nicht nur einen Augen- und Ohrenkontakt herstellt, sondern dass die Aktion der neuronalen Maschinerie im Gehirn des Therapeuten eine indirekte und, wie wir hoffen, lang anhaltende Wirkung auf die neuronale Maschinerie des Gehirns des Patienten hat - und wahrscheinlich auch umgekehrt. Insofern unsere Worte Veränderungen im Geist unserer Patienten hervorrufen, ist es wahrscheinlich, dass diese psychotherapeutischen Interventionen Veränderungen im Gehirn des Patienten hervorrufen." ...

Mit diesem viel sagenden Zitat beende ich vorerst diesen Bericht über die möglichen Wirkweisen der Hypnose.

Derzeit bin ich dabei, auch im Zuge einer Spezialisierung auf das Thema „Selbstheilung mit Hypnose aktivieren“, weitere und teilweise auch aktuellere Bücher zu relevanten Forschungsergebnissen zu lesen.

Das heisst, dass sich dieses Thema weit weiterverfolgen werde und in Zukunft weitere Texte dazu schreiben werde. Kommen Sie doch einfach immer wieder mal auf meine Homepage zurück, wenn diese Themen Sie interessieren.

Bibliographie:

Bick, Claus H.: Erfolgreich durch Hypnose

Bischof, Marco: Biophotonen

Bongartz, Walter: Hypnosetherapie

Doidge, Norman: Neustart im Kopf

Kaiser Rekkas, Agnes: Im Atelier der Hypnose

Kandel, Eric: Psychiatrie, Psychoanalyse und die neue Biologie des Geistes

Kossak, Hans-Christian: Hypnose

Meinhold, Werner: Das grosse Handbuch der Hypnose

Pert, Candace B.: Moleküle der Gefühle

Revenstorf, Peter: Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin

Rossi, Enest L.: Die Psychobiologie der Seele-Körper-Heilung

Rüegg, Johann Caspar: Gehirn, Psyche und Körper; Mind & Body